Rohrleitungen in einer Technikzentrale mit Absperrklappen, Handrädern und einem Manometer Symbolbild

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Rechenzentrum Glossar: Fachbegriffe von CRAC bis PUE erklärt

41 Begriffe aus Kühlung, Stromversorgung, Betrieb, Sicherheit und Planung, kurz erklärt. Jeder Eintrag verweist auf das Thema, auf dem der Begriff vertieft wird.

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Zuletzt aktualisiert: · Begriffe und Normbezüge geprüft

A

Abwärmenutzung
Weiterverwendung der Wärme aus Kühlung und IT, im eigenen Gebäude, bei Nachbarn oder im Wärmenetz. Je höher die Rücklauftemperatur, desto einfacher die Nutzung; für Fernwärme hebt meist eine Wärmepumpe das Temperaturniveau an. Mehr zu Energierückgewinnung
Ansaugrauchmelder
Brandfrüherkennung, die über ein Rohrnetz permanent Luftproben aus Racks, Doppelboden und Hohlräumen ansaugt und Rauchpartikel erkennt, lange bevor ein Brand sichtbar ist. Standard in Rechenzentren, oft als ASD bezeichnet. Mehr zu Sicherheit & Brandschutz

C

Colocation
Anmietung von Fläche, Strom, Kühlung und Sicherheit in einem fremden Rechenzentrum, in dem die eigene IT betrieben wird. Alternative zum eigenen Bau und zur Cloud. Mehr zu Neubau & Erweiterung
Container-Rechenzentrum
Vorkonfiguriertes mobiles Rechenzentrum im ISO-Container oder als Modul mit Racks, Kühlung, USV, Brandschutz und Zutritt. Wird auf befestigter Fläche aufgestellt und an Strom und Datenanbindung angeschlossen. Mehr zu Mobile Rechenzentren
CRAC
Computer Room Air Conditioner: Umluftkühlgerät mit eigener Direktverdampfung und Kältemittel, das die Raumluft im IT-Bereich kühlt. Eignet sich für kleinere Flächen ohne zentrales Kaltwassernetz. Mehr zu Kälte & Klimatisierung
CRAH
Computer Room Air Handler: Umluftkühlgerät, das mit Kaltwasser aus einem zentralen Netz arbeitet statt mit eigenem Kältemittel. Üblich in größeren Rechenzentren mit Kaltwassersätzen und freier Kühlung. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

D

DCIM
Data Center Infrastructure Management: Software, die Messwerte aus Kälte, Strom, USV, Racks und Umgebungssensorik bündelt, Kapazitäten darstellt, bei Grenzwerten alarmiert und Kennzahlen wie den PUE-Wert liefert. Mehr zu Service & Monitoring
Direct-to-Chip-Kühlung
Flüssigkühlung, bei der Kühlplatten direkt auf Prozessoren und Beschleunigern sitzen und die Wärme über einen Wasserkreislauf abführen. Erlaubt Rackleistungen weit über 30 kW und hohe Rücklauftemperaturen für die Abwärmenutzung. Mehr zu Kälte & Klimatisierung
Doppelboden
Aufgeständerter Boden im IT-Raum, dessen Hohlraum Kaltluft, Kabel und Leitungen führt. Bei modernen Einhausungskonzepten ist er nicht mehr zwingend, im Bestand aber weit verbreitet. Mehr zu Neubau & Erweiterung

E

Edge-Rechenzentrum
Kleines Rechenzentrum nahe am Ort der Datenentstehung, etwa in Produktion, Logistik oder Filialen. Häufig als Container oder Mikro-Rechenzentrum mit eigener Kühlung, USV und Sicherheit umgesetzt. Mehr zu Mobile Rechenzentren
EN 50600
Europäische Normenreihe für Planung, Bau und Betrieb von Rechenzentren, international als ISO/IEC 22237 übernommen. Definiert Verfügbarkeitsklassen 1 bis 4 für Strom und Kühlung, Schutzklassen 1 bis 4 für die physische Sicherheit und in Teil 4 Kennzahlen wie PUE, ERF und WUE; Grundlage für Zertifizierungen. Mehr zu Neubau & Erweiterung
Energieeffizienzgesetz (EnEfG)
Deutsches Gesetz mit Anforderungen an Rechenzentren ab 300 kW Nennanschlussleistung: PUE höchstens 1,5 ab Juli 2027 und 1,3 ab Juli 2030 für Bestandsanlagen, 1,2 für Rechenzentren mit Inbetriebnahme seit Juli 2026; 10 bis 20 Prozent wiederverwendete Energie für neue Rechenzentren; mindestens 27 °C Lufteintrittstemperatur; Strom aus erneuerbaren Energien; Energiemanagementsystem und jährliche Meldung an das Energieeffizienzregister. Mehr zu Energierückgewinnung
Energy Reuse Factor (ERF)
Kennzahl für den Anteil der aufgenommenen Energie eines Rechenzentrums, der außerhalb wiederverwendet wird, etwa als Wärme. Ein ERF von 0,2 bedeutet 20 Prozent Wiederverwendung. Mehr zu Energierückgewinnung

F

F-Gase-Verordnung
Verordnung (EU) 2024/573, seit März 2024 in Kraft. Reduziert teilfluorierte Kältemittel über sinkende Quoten, verbietet ab 2027 neue Kaltwassersätze mit Kältemitteln ab GWP 750 (bis 12 kW ab GWP 150) und schränkt den Service mit frischen Kältemitteln hoher GWP-Werte stufenweise ein. Mehr zu Kälte & Klimatisierung
Freie Kühlung
Kühlung mit Außenluft statt mit Kältemaschine, direkt über gefilterte Außenluft oder indirekt über einen Wärmeübertrager. Der wichtigste Hebel für einen niedrigen PUE-Wert in Mitteleuropa. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

G

Graue Fläche
Technikbereich eines Rechenzentrums mit Kälteerzeugung, USV, Batterieräumen, Netzersatzanlage und Mittelspannung. Gegenstück zur weißen Fläche mit den IT-Racks. Mehr zu Neubau & Erweiterung
GWP
Global Warming Potential: Treibhauspotenzial eines Kältemittels im Vergleich zu CO₂. R-410A liegt bei rund 2.100, R-134a bei rund 1.400, R-1234ze und Propan unter 10. Grundlage der Verbote und Quoten der F-Gase-Verordnung. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

H

HVO
Hydriertes Pflanzenöl nach DIN EN 15940: paraffinischer Kraftstoff aus Rest- und Abfallstoffen, der in den meisten Netzersatzanlagen und Ölheizzentralen ohne Umbau läuft und die CO₂-Bilanz des Notstrom- und Heizbetriebs deutlich verbessert. Mehr zu Stromversorgung

I

Immersionskühlung
Flüssigkühlung, bei der die komplette Hardware in ein nicht leitendes Fluid getaucht wird. Für höchste Leistungsdichten und einfache Abwärmenutzung, verlangt aber angepasste Hardware und Wartungsprozesse. Mehr zu Kälte & Klimatisierung
Inertgas-Löschanlage
Gaslöschanlage mit Stickstoff, Argon oder deren Gemischen, die den Sauerstoffgehalt im Raum kurzzeitig absenkt und rückstandsfrei löscht. Standard für IT-Flächen, ausgelegt mit Raumdichtheit und Druckentlastung. Mehr zu Sicherheit & Brandschutz

K

Kalt- und Warmgang-Einhausung
Bauliche Trennung der kalten Zuluft- und der warmen Abluftgänge zwischen den Rackreihen. Verhindert Luftkurzschlüsse und erlaubt höhere Zulufttemperaturen bei gleicher Sicherheit. Mehr zu Kälte & Klimatisierung
Kaltwassersatz
Zentrale Kältemaschine, die Kaltwasser für ein Verteilnetz erzeugt, aus dem Umluftkühlgeräte, Reihenkühler oder Kühlverteiler versorgt werden. Mit freier Kühlung kombinierbar und als Mietanlage für Notkälte verfügbar. Mehr zu Kälte & Klimatisierung
KRITIS und NIS-2
Rechenzentren ab 3,5 MW vertraglich vereinbarter Leistung gelten in Deutschland als kritische Infrastruktur nach BSI-Gesetz; Anbieter von Rechenzentrumsdiensten fallen unter die NIS-2-Pflichten zu Risikomanagement, Cybersicherheit und Meldewesen. Beides stellt Anforderungen an Zutritt, Brandschutz und Betrieb. Mehr zu Sicherheit & Brandschutz
Kühlverteiler (CDU)
Coolant Distribution Unit: Übergabeeinheit der Flüssigkühlung, die den Technikkreis vom Kreis an den Kühlplatten trennt, Druck und Temperatur regelt, filtert und Leckagen überwacht. Je Rack, je Reihe oder zentral im Technikraum aufgestellt. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

L

Lastbank
Mobile elektrische Last, mit der Netzersatzanlagen und USV-Systeme unter realen Bedingungen getestet werden, ohne die IT zu belasten. Wird für Abnahmen und jährliche Lasttests gemietet. Mehr zu Stromversorgung
Leistungsdichte
Elektrische Leistung je Rack in Kilowatt. Klassische Server liegen bei 5 bis 15 kW, GPU-Systeme für KI bei 100 bis über 130 kW je Rack, angekündigte Generationen deutlich darüber. Die Leistungsdichte bestimmt Kühltechnik, Stromverteilung und Flächenbedarf. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

M

Mittelspannung
Spannungsebene von 10 bis 30 kV, an die Rechenzentren ab einigen hundert Kilowatt über eine eigene Übergabestation mit Transformatoren und Schaltanlage angeschlossen werden. Lange Lieferzeiten machen den Netzanschluss zum Taktgeber vieler Vorhaben. Mehr zu Stromversorgung
Mobile Heizzentrale
Anschlussfertige Wärmeerzeugung im Container oder auf Anhänger, die per Schlauch an ein Heizungsnetz oder an Lufterhitzer angebunden wird. Für Bauphasen, Bautrocknung, Heizungsausfall und Übergangszeiten. Mehr zu Mobile Wärme

N

N+1 und 2N
Redundanzstufen: N+1 hält je System eine Reserveeinheit vor, 2N verdoppelt den gesamten Versorgungspfad von der Einspeisung bis zum Rack. 2N+1 kombiniert beides. Die Stufe folgt der geforderten Verfügbarkeit. Mehr zu Stromversorgung
Netzersatzanlage (NEA)
Dieselgenerator, der bei Netzausfall innerhalb von etwa 10 bis 15 Sekunden die Versorgung übernimmt und sie hält, solange Kraftstoff verfügbar ist. Ausgelegt auf IT-Last und Kühlung zusammen, regelmäßig unter Last getestet. Mehr zu Stromversorgung
Notkälte
Mobile Kälteanlage zur Miete, die bei Ausfall, Revision oder Lastspitze die Kälteversorgung des Rechenzentrums vorübergehend übernimmt. Mit vorbereiteten Anschlusspunkten oft innerhalb weniger Stunden in Betrieb. Mehr zu Mobile Kälte & Notkälte

P

PUE
Power Usage Effectiveness: Verhältnis des Gesamtstromverbrauchs eines Rechenzentrums zum Stromverbrauch der IT. Ein PUE von 1,2 bedeutet 20 Prozent Aufwand für Kühlung, USV und Nebenverbraucher. Belastbar nur als Jahresmittelwert. Mehr zu Energierückgewinnung

R

Rack
Standardisierter Schrank für Server, Speicher und Netzwerktechnik, meist 42 bis 48 Höheneinheiten hoch. Die Anzahl der Racks und ihre Leistungsdichte sind die Grundgrößen jeder Planung. Mehr zu Neubau & Erweiterung
Rücktürkühler
Rear Door Heat Exchanger: Wärmeübertrager in der Racktür, der die Abluft des Racks mit Kaltwasser abkühlt. Erweitert die Luftkühlung auf 20 bis 40 kW je Rack, ohne die Raumkühlung zu vergrößern. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

S

Sauerstoffreduktion
Brandvermeidung, bei der der Sauerstoffgehalt im Raum mit Stickstoff dauerhaft auf 13 bis 15 Volumenprozent gesenkt wird, sodass Brände gar nicht erst entstehen. Ausgelegt nach DIN EN 16750 und VdS 3527; der Raum bleibt begehbar, geeignet für hochverfügbare Flächen und Batterieräume. Mehr zu Sicherheit & Brandschutz

T

Tier-Klassifizierung
Einstufung des Uptime Institute von Tier I bis Tier IV nach Redundanz und Wartbarkeit der Infrastruktur. Tier III erlaubt Wartung ohne Abschaltung, Tier IV ist zusätzlich fehlertolerant. EN 50600 bildet vergleichbare Stufen als Verfügbarkeitsklassen 1 bis 4 ab, die sich nicht eins zu eins übertragen lassen. Mehr zu Neubau & Erweiterung

U

USV
Unterbrechungsfreie Stromversorgung: Anlage mit Batterien oder Schwungmasse, die Netzstörungen filtert und die Sekunden bis Minuten bis zum Anlauf der Netzersatzanlage überbrückt. Typische Überbrückungszeit 5 bis 15 Minuten. Mehr zu Stromversorgung

V

Vereinzelungsanlage
Schleuse oder Drehkreuz, das nur eine Person je Zutrittsvorgang durchlässt und so das Durchschlüpfen verhindert. Teil des Zonenkonzepts der Zutrittskontrolle in Rechenzentren. Mehr zu Sicherheit & Brandschutz

W

Weiße Fläche
IT-Bereich eines Rechenzentrums mit Racks, Doppelboden, Einhausung und Stromverteilung bis zum Rack. Wird in Quadratmetern oder in installierbarer IT-Leistung angegeben. Mehr zu Neubau & Erweiterung
WUE
Water Usage Effectiveness: Wasserverbrauch des Rechenzentrums in Litern je Kilowattstunde IT-Energie. Relevant bei adiabater und Verdunstungskühlung, definiert in EN 50600-4-9 und Teil der Meldung an das Energieeffizienzregister. Mehr zu Kälte & Klimatisierung

Z

Zulufttemperatur
Temperatur der Kaltluft am Lufteintritt der Server. ASHRAE empfiehlt 18 bis 27 °C, für dicht gepackte Hochleistungssysteme 18 bis 22 °C; jedes Grad mehr erweitert die Stunden mit freier Kühlung. Das Energieeffizienzgesetz verlangt für Rechenzentren, die seit 2024 in Betrieb gegangen sind, mindestens 27 °C, kälter nur ohne Kältemaschine. Mehr zu Kälte & Klimatisierung